Die KIF und der Beziehungsgraph, Teil 1

Sat 10 November 2012
By Aaron

In diesem Moment tagt Ausgabe 40.5 der Konferenz der Informatik Fachschaften, besser bekannt als KIF. Und ich bin nicht dabei.

Was an sich ja nicht so ungewöhnlich wäre, war ich doch bei KIF 0 bis 39 auch nicht dabei. Doch die letzten beiden Ausgaben waren "meine KIFs". Zuerst die 39.5 in Bremen, dann die 40.0 in Ulm. Beide unglaublich lustig, interessant, spannend, wahnsinnig...

Und ohne KIF wäre ich nicht der Mensch, der ich jetzt bin. Ohne KIF wäre mein Leben ein völlig anderes. Auf der KIF hab ich viele Leute aus der Fachschaft erst näher kennen gelernt. Auf der KIF hab ich wundervolle neue Freunde gefunden. Auf der KIF hab ich das erste mal öffentlich Karaoke gesungen; Bier getrunken, das nicht Scheiße schmeckte; in breiter Runde offen über meine Sexualität geredet und eine Vertrautheit mit defakto Fremden gefunden die mich zutiefst überraschte.

Und ich habe meine Freundin auf der KIF getroffen. <3

Was für mich diese beiden KIF auszeichnete war, ganz klar, der Arbeitskreis "Ist ja Voll Porno". (Schnell abgekürt auf AK Porno.) Beim ersten Mal auf der KIF 39.5 in Bremen abgehalten und von Dea und Skunk von der TU Wien organisiert, beschäftigte er sich mit dem Themenkomplex Sexualität, Pornographie und Gesellschaft, mit Fragen ob der Normativität von Pornographie, ob diese inhärent problematisch sei und wie Pornographie mit der Allgemeingesellschaft in Wechselwirkung stehe.

Ich muß gestehen, als der AK am Anfangsplenum vorgestellt wurde war ich besorgt. Kurz davor war der AK Salzsteuerinnen vorgestellt worden, welcher sich mit Gender und dem gendering von Resolutionen der KIF beschäftigen wollte, und schon bei der Vorstellung hatte ich den Eindruck, das die versammelten Kiffel ... vielleicht nicht so ganz mit der FSINF TU Wien auf einer Wellenlänge schwamm. Und als bei Deas Vorstellung des AK Pornos dann noch ein tiefes Kichern/Raunen durch die Menge ging (Marke "Hohohoho, goil, Pornos") entgleisten mir die Gesichtszüge etwas.

Ich sah schon vor mir wie sich der AK in tiefsten Tiefen der Niveaulosigkeit bewegen würde. Dea und Skunk würden enttäuscht und angepisst sein, die Stimmung im Keller und überhaupt alles ganz furchtbar.

Etwas nervös und besorgt kam ich also in den Seminarraum, es gan eine Vorstellrunde und ... der AK war ein voller Erfolg. Die bunt durchmischte Gruppe schaffte es nicht nur, sich gesittet, interessiert und konstruktiv mit dem Thema zu beschäftigen, nein, sie schafften es sogar sich zu öffnen und im Laufe der Sitzung auch auf persönlicher Ebene sehr spannend zu diskutieren und sich auszutauschen. Oh, und sagte ich Sitzung? Was für eine Untertreibung! Als der eingeplante Zeitslot vorbei war wollten die Leute unbedingt weitermachen!

Letzten Endes sollte der AK dann die gesamte KIF in Anspruch nehmen, immer wieder kamen neue Leute hinzu, nachdem sich Kunde von diesem spannenden Arbeitskreis langsam unter den Kiffels verbreitete. Mehrmals kamen während der Slots Leute mit den Worten "Ehm, ist das hier der AK Porno? Wir haben gehört der ist so cool, können wir noch einsteigen?" dazu, machten mit und bereicherten die Gruppe. Ich war hin und weg. Nie zuvor hatte ich erlebt, daß eine Gruppe von großteils Fremden sich so angenehm, offen und entspannt zu so einen kontroversen Thema wie Pornographie austauschte. In diesem AK lernte ich viel über das Thema, über mich und über die Menschen um mich. Es war einfach großartig.

Ein paar TeilnehmerInnen von damals sind inzwischen gute Freunde geworden; Menschen, die mir wahnsinnig am Herz liegen und mit denen mich viel verbindet, trotz räumlicher Distanz und unterschiedlicher Terminpläne.

Doch wie es dazu kam, dazu mehr im nächsten Teil.

(Wow, ist der Artikel lang geworden. Hatte ich etwas anders und etwas kürzer eingeplant. Naja, kann passieren.)

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