Die Leiden des Elternfilters

Wed 16 October 2013
By Aaron

oder: "Ich sehe kleine Menschen!!!"

Eltern werden verändert die Wahrnehmung. Schon das Wissen, daß eins bald Kinder bekommen wird kann dazu führen, das die Welt plötzlich anders aussieht. Plötzlich sind überall Kinder! Und Eltern!

Klar, die waren vorher auch da, aber wurden halt nicht so bewußt wahrgenommen. Wird eins Elternteil achtet eins mehr drauf, kann oft nicht mal mehr wirklich wegschaun. Auch wenn das manchmal angenehmer wäre...

So auch heute: Im Spar an der Kassa. Elternteil und kleines Kind, so Kindergartenalter. Elternteil räumt Sackerl aus, Kind streckt immer wieder die Hand in Richtung Elter, will irgendwas, anscheinend helfen ausräumen/Dinge aufs Band legen. Elter ist gestresst, bemerkt es zuerst nicht, versteht dann nicht was Kind will, fährt es genervt an was es denn wolle, daß es nicht nerven soll. Als Kind weiter die Hand ausstreckt, anscheinend weiter helfen will, packt Elter das Kind, schüttelt/schiebt es weg, schreit es an, daß es enddlich weggehen, Ruhe geben und hinter der Kassa warten soll. Als ich rausgehe steht das Kind da, schaut aus dem Spar raus, Rücken zur Kassa, weint ohne Ton.

Ich fühle mich nach solchen Momenten immer mehrfach Scheiße. Zum einen der innere Dialog: Hätte ich was sagen sollen? Es war nicht offensichtlich Grund zum eingreifen, Kind wurde nicht geschlagen oder misshandelt, Elter war gestresst und wurde laut, aber sonst? Und selbst wenn ich das Recht hätte was zu sagen, was hätte ich sagen sollen? Vielleicht hätte ein Kommentar meinerseits es für Elternteil und Kind nur schlimmer gemacht.

Und dann die Selbstzweifel: Hätte ich in der Reaktion anders reagiert als dieser Elternteil? Wer weiß, wie der Kontext der Situation war, wie das Kind vorher im Spar drauf war, wie der Tag des Elter, wie die Beziehung der beiden. Kann ich tatsächlich sagen, ob ich, gestresst und fertig nicht mein Kind auch ungut angefahren hätte?

So sitze ich hier und schreib mir das von der Seele, besorgt und ängstlich in die Zukunft blickend. Ein lautlos, heimlich weinendes Kind im Kopf.

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