"Good Night, Nerd Pride" und Servus, Nerds

Tue 27 November 2012
By Aaron

Über Theresa habe ich einen spannenden Link in meine Timeline gespült bekommen.

 

"Good Night, Nerd Pride" Logo by @tante

Seit einiger Zeit haben die “Nerds” ihren Siegeszug in den Mainstream angetreten. Die Piratenpartei zieht in Parlamente ein, der CCC gibt sich staatstragend, verfassungsgerichtsberatend. Fernsehserien wie “The Big Bang Theory” kommunizieren den Nerd (denn Frauen finden in dem Bild immer noch kaum statt) als liebenswerten Weirdo, der komische Sachen mag aber eigentlich voll nett ist.

Den Nerds selber hat das nicht sehr gut getan: Anstatt ihre eigenen Vorurteile und Ansätze kritisch zu reflektieren, kultiviert man sie sogar noch, denn: Nerds sind ja jetzt cool.

Es wird Zeit, dem Hype um Nerds Grenzen aufzuzeigen, ein Zeichen zu setzen, Nerds wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Daher haben der wundervolle macrone (twitter: @macrone) und ich (vor allem macrone icon wink Good night nerd pride ) uns zusammengesetzt um dem Nerd pride ein Symbol entgegen zu stellen. (Ich habe die Beweggründe auch nochmal hier klarer gemacht)

Was ist daran so großartig? Ist es nicht gut stolz auf seine Identität zu sein? Hasse ich etwa Nerds und damit mich selber?

Tante selber hat einige dieser Fragen für sich schon sehr gut beantwortet und mit seinen Ansichten kann ich großteils d'accord gehen. Ich will darum, im Sinne dieses Blogs, mal meine persönlichen Beweggründe dafür zu beschreiben das Motiv gut zu finden.

Vor einiger Zeit hatte ich mal den Plan das genaue Gegenteil zu tante hier zu machen. Ich hatte die Idee, ein Geek Pride Motiv zu entwerfen, für diejenigen, die stolz ihr Geektum verkünden wollen. Die dazu stehen wollen, Geeks zu sein.

Ich hab das damals nicht gemacht, aus Gründen. Geek Pride Motive gibt es schon zuhauf. Mehr aber noch: Die Idee hat mich nicht gepackt, sie fühlte sich irgendwie meh an, irgendwie falsch. Ich hatte damals ein diffuses Unwohlgefühl und tantes Post und die ganze #klotür Geschichte hat mir wieder Gelegenheit gegeben da mal etwas zu reflektieren. Und dabei hab ich für mich wieder einmal gemerkt wie sehr mich der Opfer- / Verfolgungsmythos in der Geekszene anödet.

Geek/Nerd Pride, als Idee, zehrt von Bewegungen, in denen sich marginalisierte Gruppen (Oder sich als solche sehen, siehe "White Pride".) zusammenfinden und sich in ihrer Identität bestätigen, gegen Diskriminierung durch die Mehrheitsgesellschaft stark machen und für ihre Grundrechte eintreten. Das ist in den meisten Fällen (Gay Pride, Black Pride, ...) eine tolle Sache.

Aber halt auch nur, wenn wir von marginalisierten Gruppen reden. Bei anderen Gruppen, die nicht Diskriminierung durch ihren Minderheitsstatus ausgesetzt sind, funktioniert Pride nicht bzw. wird zu etwas das ich nicht mehr gutheiße. (cough White Pride cough)

Und Nerds sind, wie man es dreht oder wendet, für mich keine Gruppe die marginalisiert wird oder Diskriminierung ausgesetzt ist. Es gibt genug Geeks, die diskriminierten Gruppen angehören, aufgrund von Geschlecht, Herkunft, Orientierung, Gesundheit, etc. Aber Nerds als Gruppe, als Identität, sind es meiner Meinung nach nicht.

Und so ist Nerd Pride zu oft eine Idee, die aufgegriffen wird um Probleme in der Szene und dem vorherrschenden Nerd Bild kleinzureden, zu ignorieren und weiter den Mythos des armen, verfolgten Nerds zu verbreiten. Und das wird schnell toxisch. Viel zu schnell folgt für viele der Schluß "Ich bin da selbst Opfer, ich selbst diskriminiere ja nicht, das sind ja die Anderen!" und dadurch Interpretieren von Kritik oder dem Aufzeigen realer Probleme als Angriff. Und wie die Abwehrreaktion aussieht zeigt sich ja an der Sache mit er Klotür ganz gut.

Und zu der Sache kommt noch hinzu das es soviele Aspekte des Geektums gibt, auf die wir zurecht stolz sein könnten. Ich mag die meisten Geeks die ich treffe, ich respektiere ihr Engagement, ihr Wissen und ihren Willen zur Analyse und zum Experiment. Das sind Aspekte, auf die man zurecht stolz sein kann! Doch allzu oft verkommt Geek Pride zur Verteidigung der schlechtesten Aspekten unserer Subkultur: Sexismus, Trolltum, Ignoranz.

Ich denke von mir selbst als Geek/Nerd. Ich fühle mich damit wohl, ich bin gerne in dieser Subkultur unterwegs, ich mag viele ihrer Aspekte und Mitglieder.

Aber das Label ist zu problematisch, als das ich die Idee einer "Geek Pride" unterstützen könnte. Darum, frei nach tante:

Gute Nacht, Nerd Pride. Servus, Geeks!

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