Ja, eh!

Fri 15 February 2013
By Aaron

Meine Freundin ist Deutsche. Ich Österreicher. Neben den eher zweifelhaften Freuden einer Fernbeziehung bringt das sehr viel Metakommunikation mit sich. Also: Über's Reden reden.

Laut Google war es Karl Kraus, der mal über das Verhältnis Deutschland-Österreich gesagt hat "Nichts trennt uns so sehr, wie die gemeinsame Sprache.", doch so sehr ich diesen Spruch auch mag, so falsch ist er in meiner Beziehung. Denn die kleinen sprachlichen und kulturellen Unterschiede haben nicht zu Problemen geführt, im Gegenteil, sie haben uns unendlich viel Gesprächsstoff der besten Sorte gegeben.

So sitzen wir dann gemeinsam Abends da und schwadronieren amüsiert über Paradeiser und Tomaten, über die Eigenheiten der verschiedenen Namen für Solanum tuberosum oder die geografische Verwirrlichkeit von "da", "dort" und "hier". Wir schätzen die Momente, in denen einer von uns redet und plötzlich die freundlich wartende Unwissenheit im Gesicht des Gegenübers bemerkt, weil er wieder einen Ausdruck verwendet hat, der halt nicht "deutsch", sondern tatsächlich "Bundesdeutsch", "Österreichisch", "Schwäbisch" oder "Fränkisch" ist.

Da wird sinniert über Dinge die "sich ausgehen", geschmunzelt wenn man einander "abgeht" oder kommentiert, dass man einander gerade "angreift". Und kaum ein Ausdruck kann mich geistig so verzücken wie das in seiner Vielschichtigkeit fraktal anmutende "Ja eh".

Mal drückt es selbstverständliche Zustimmung einer Aussage gegenüber aus, während es den Anderen gleichzeitig für die Offensichtlichkeit dieser Aussage kritisiert. Mal ist es die letzte Rückzugsmöglichkeit einer Person, die sich in der Notwendigkeit sieht, eine positive Antwort auf eine Aussage zu geben, mit der sie eigentlich nicht wirklich einverstanden ist. Und tritt es, als Antwort auf die Frage nach der persönlichen Befindlichkeit, gekoppelt mit dem Wort "gut" auf, dann muss es der Person gar fürchterlich gehen.

Mir hat auf einer KIF einmal eine Teilnehmerin, die wohl aus dem Norden Deutschlands kam, einmal resolut entgegen geschmettert "HACH, ICH FINDE DEINEN ÖSTERREICHISCHEN AKZENT SO PUTZICH!!!". Damals fand ich das etwas ... verstörend.

Heute würde ich dazu nur sagen: "Ja, eh!" ^_^

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