Klotüren und andere WTF-Momente, ein Rant

Mon 26 November 2012
By Aaron

Ich hatte heute eigentlich vor darüber zu posten, wie es war spontan alleine ins Kino zu gehen (Was ich seit Jahren nicht gemacht habe.) und ich hab auch noch vor das zu tun (Denn es war voll cool.) aber stattdessen muss ich heute mal kurz Dampf ablassen. (Allerdings wirklich nur kurz, in 7 Stunden muss ich in der Arbeit sein.)

Für diejenigen, die die Sache mit der #klotür nicht mitbekommen haben, hier eine kleine Zusammenfassung aus Aaron-Sicht:

In der cbase, einem bekannten Hackspace in Berlin gab es auf der Damentoikette ein Motiv, das Einige als uncool, sexistisch und rape-culture-y sehen. (Nackte, verängstigt wirkende weibliche Mangafigur, die sich die Hand vor die Brüste hält.)

Das wurde von besagten Leuten an die Zuständigen der cbase herangetragen, was dazu geführt hat das nix passiert ist. Daraufhin wurde das Motiv von Unbekannten überklebt.

Das wiederum hat zu einer Welle der Empörung geführt, die primär aus der Ecke männlicher cbase-naher Hacker kam, darüber wie furchtbar das doch sei und Vandalismus, und überhaupt, voll die Unterdrückung und so.

So weit so vorhersehbar und dumm. Inzwischen hat die Sache aber immer abstrusere Züge angenommen und was mir da in die Timeline gespült wird läßt mich kotzen. Da werden die Motivkritiker*innen mit den Taliban oder Faschisten gleichgesetzt, Menschen mit extra erstellten Accounts beleidigt und ein Soli-Shirt mit dem armen, unterdrückten Klotürmotiv gibt es jetzt auch noch.

Als Österreicher der noch nie in der cbase war, kann ich mich nur fragen: "Seit's ongschüt?!?"

Seit Jahren jammern die Leute, wie wenig Frauen es nicht in Geek-/Nerd-/Hackerkreisen gäbe, aber sobald irgendwelche Handlungen gesetzt werden könnten um die Szene attraktiver und sicherer für ALLE Menschen (Und nicht nur männliche, weiße Nerds wie mich) zu machen rasten manche Macker einfach nur aus.

Da ist er dann sofort, der Opferkomplex. Der arme, weiße, männliche Nerd, verfolgt und unterdrückt von den bösen Feminazis. Wie unglaublich attraktiv scheint dieser Mythos für manche zu sein! Nicht sie sind es, die aktiv und durch bewußtes Handeln andere ausschließen, NEIN, in Wirklichkeit sind es ja die bösen Frauen, die unterdrücken.

Und wo männliche Nerds sich angegriffen fühlen kommt gleich das gehässige, das wiederliche. Da wird dann feig beleidigende Kommentare gepostet, da kommen dann die Drohungen hinter dem TOR Tunnel hervor. Und die Szene wird wieder ein Stück ungemütlicher und unsicherer. Und die Dominanz der Nerdmacker ist wieder ein weiteres Stück zementiert. Lang lebe die Hackerszene, wo die Hacker noch Männer und die Frauen gefälligst draußen sind.

Das ist nicht meine Szene, das ist nicht meine Welt. Ich will eine Kultur in der sich niemand unwillkommen oder bedroht fühlen muß, nur weil die Person das falsche Geschlecht, die falsche Hautfarbe oder die falsche Orientierung hat. Ich will eine Welt, in sich Hacker nicht vor der Realität sozialer Ungerechtigekeit verstecken, sondern aktiv dagegen arbeiten.

"Not our departement" reicht nicht. Ungerechtigkeit, Rape Culture und die ganze Kyriarchie ist verdammt nochmal unsere Baustelle und wenn ihr als Geeks oder Hacker das nicht einseht MACHT IHR WAS FALSCH!!!

Dann seit ihr keine nämlich Hacker, sondern nur diesselben sexistischen Vollpfeifen, die euch am Schulhof das Pausenbrot geklaut haben weil ihr Bücher lest. Also lasst den Opferkomplex und reißt euch zusammen, damit ich mich nicht mehr schäme das gleiche Geschlecht wie ihr zu haben.

Older
Eine Beziehungsgeschichte

Newer
"Good Night, Nerd Pride" und Servus, Nerds