Spontane Connections, Macker und andere U-Bahn Gedanken

Sat 20 July 2013
By Aaron

Ich hab mich heute am Heimweg in der UBahn verknallt.

(Ich hab mir auch Pacific Rim angesehen. Ging eh...)

Das ich mich verknallt hab ist jetzt nichts besonderes. Passiert mir regelmäßig, daß ich Menschen in der U-Bahn sehe die mir so gefallen, daß ich mich, für einen Augenblick, vergucke. Dann genieße ich die Fahrt mit tollen Menschen und steige aus. Fertig.

So im Prinzip auch diesmal, nur die Umstände waren etwas anders und haben so zum Nachdenken eingeladen.

Als ich in die Bahn einstieg, stand auf der anderen Seite, neben den Türen in der Ecke, ein Mensch. Klein, alternativ/punkig, kurze Haare, Kapuzenpulli, große Augen, die mich beim Einsteigen anstarten. Zack hat es gemacht, und ich war hin und weg. Ich brach verlegen den Blickkontakt, stellte mich auf meiner Seite der Tür in die Ecke und starrte auf mein Handy.

Dann erst fielen mir die anderen Leute in der Ubahn auf: Nacht-Ubahn-Menschen. Macker. Volltrunken, laut grölend, Parolen(?) singend. Oder irgendwas mit Fußball? Sie standen im Verbindungsstück zwischen den Wagons, teil einer großeren Gruppe aber schon für sich genommen 5-6 Mann stark. Bei mir stellte sich alles auf, ich verspannte mich, und fühlte mich sofort unwohl. Gleichzeitig Aufmerksamkeit auf 110%. Ich bemerkte, wie der Mensch der mir beim Einsteigen aufgefallen wer ebenfalls angespannt die Gruppe beobachtete, wie Mensch die Kopfhörer drin hatte, sich noch kleiner machte, dann auch die Kapuze hochklappte, um noch mehr zu verschwinden. Auch der Platz (Mit dem Rücken zur Glasscheibe, neben dem Eingang.) machte gleich mehr Sinn.

Ich spürte wie ich mich verkrampfte, began sauer zu werden. Wieso grölten die da so beschissen rum? Was fällt denen eigentlich ein? Wieso sollen sich andere Leute deswegen bedroht und unwohl fühlen müssen? Wieso dieser Mensch? Wieso ich? Das ist genauso unsere Ubahn, was für ein Arschloch muss man sein, um sich so aufzuführen?

Während das durch mein Hirn ratterte, war meine Aufmerksamkeit andauernd auf der Gruppe und mir fiel immer mehr auf: Daß nur die Wenigsten in der großen Gruppe tatsächlich laut waren. Daß es nur 3, 4 wirklich penetrante, Dominanz projezierende Arschlöcher gab, die vom Rest aber zumindest geduldet wurden. (Andere fanden das sogar eindeutig lustig.) Auch gab es in der Gruppe immer wieder Leute, die selbst versuchten, die lauten Wappler dazu zu bringen doch leiser zu sein. (Mit mäßigem Erfolg.)

Andererseits gab es dann doch wieder konkrete Handlungen der Gruppe, auf die "Ihrigen" zu achten und diese ein bißchen im Zaum zu halten. Als einer der stark angetrunkenen weiter hinten in den Wagon (In die Richtung in der ich und der Mensch stand.) zu gehen, da hängte sich einer aus der Gruppe in den Gang zwischen zwei Haltestangen und ließ ihn einfach nicht durch. Hat ruhig und nett mit ihm geredet, aber die ganze Zeit beide Arme links und rechts an den Griffen gelassen, so daß der Betrunkene keinen Platz zum durchgehen hatte, obwohl er das mehrmals versucht hat.

Und eigentlich war es das. Nach ein paar angespannten, unangenehmen Stationen stieg die Gruppe aus, der Mensch entspannte sich und setzte sich hin, ich blieb stehen, wir beide stiegen bei der Endstation aus, fertig.

Und doch beschäftigte mich das Ganze weiterhin. Ich dachte immer wieder an den Menschen und wie furchtbar angespannt der gewirkt hatte. Wie in meinem Kopf sofort die Möglichkeiten in den Hirn schossen, sollten die Leute zu pöbeln oder mehr anzufangen. (Flucht? Deeskalation? Gespräch? Gewalt?) Wie der lauteste, betrunkenste Arsch dann nochmal wiederlich lang beim Aussteigen den Menschen gemustert hatte. (Mensch stand neben der Tür.) Und wie furchtbar unfair die ganze Situation war.

Niemand in diesem Wagon hat darum gebeten, sich bedroht und unwohl fühlen zu müssen. Die wollten alle nur nach Hause, in Ruhe. Aber ein paar Arschlöcher fanden es lustig den Raum in Anspruch zu nehmen, anderen sich und ihre Präsenz aufzudrängen. Ein paar wenige, betrunkene, laute Arschlöcher, und andere Idioten, die das mittragen, akzeptieren, gutheißen. Das reicht schon. Und dafür darf ich mich Scheiße fühlen. Angst davor haben angepöbelt oder mehr zu werden. Dafür darf Mensch, nochmal 1.5 Köpfe kleiner und zierlicher gebaut als ich, sich dann bedroht fühlen, dumm gemustert werden.

Ein Haufen Macker, ein Haufen Arschlöcher.

Und dabei war das harmlos! Eigentlich ist Nichts passiert! Sie waren laut und Unbehagen erzeugend. Niemand wurde angepöbelt, niemand wurde verletzt. Heute Nacht wird überall in Wien Schlimmeres passieren. Ich bin glücklich und privilegiert genug, daß mir noch nicht mehr als das passiert ist. (Von einer einzigen Übergriffserfahrung abgesehen. Und sogar die war vergleichsweise nichtig.) Andere haben das Privileg nicht. Müssen sich eher fürchten.

Weil sie kleiner sind. Nicht so klar in ein Kasterl zu stecken sind. Weil sie im falschen Moment halt grad da sind.

Und ich steh dann da und frag mich, was soll man machen? Was kann ich machen?

Ich weiß es nicht, und ich fühl mich scheiße dabei. Danke, ihr Wichser, geht einfach sterben!

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